Unter dem Motto «Elevate the Future of Europe» verfolgt die ESA ambitionierte Ziele

An der ESA-Ratstagung auf Ministerebene Ende November 2025 wurde ein starkes Zeichen für die Zukunft der europäischen Raumfahrt gesetzt. Mit neuer Strategie und dem Rekordbudget von über 22 Milliarden Euro wollen die Mitgliedstaaten die ESA-Weltrauminfrastruktur ausbauen und widerstandsfähiger machen. Autonomie, Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit stehen im Zentrum der Vorhaben.

13.01.2026
Autor/in: Teresa Rudolph
Eine Rakete die startet.
Unter dem Motto «Elevate the Future of Europe» will die ESA Europas Führungsrolle im All sichern. Start der Ariane 6 am 9. Juli 2024. Foto: ESA - S. Corvaja

Raumfahrt bedeutet schon lange nicht mehr bloss, dass der Mensch versucht, im Weltall zu bestehen. Flüge von Astronautinnen und Astronauten in den Erdorbit oder auf dem Mond gehören zwar weiterhin dazu. Vor allem aber wird dank der Raumfahrt eine kritische Infrastruktur betrieben, die den Erdball umspannt und aus dem täglichen Leben der Menschen nicht mehr wegzudenken ist. Satelliten senden laufend Signale für Internet und Telefonie, Fernseh- und Wetterbilder oder Ortungsdaten. Jeder Bürger und jede Bürgerin in der Schweiz nutzt täglich solche Daten beziehungsweise damit verbundene Dienstleistungen. Schlüsselindustrien für unsere Wirtschaft, zum Beispiel Transport und Logistik, und Erbringer von Grunddiensten, wie Schutz und Rettung, sind in ihrem Betrieb ebenfalls auf diese Daten und Dienstleistungen angewiesen.

Neue Strategie der ESA

Der Raumfahrtsektor hat im letzten Jahrzehnt einen grundlegenden Wandel erfahren. Die Zahl der Akteure ist rasant gestiegen und die Eintrittshürden sind stark gesunken. In diesem sich schnell entwickelnden Umfeld gilt es, den Anschluss zu behalten. In jüngster Zeit steht die Verwendung von Satelliten für Sicherheits- und Verteidigungszwecke vermehrt im Vordergrund. Satelliten werden für Aufklärung und Truppenkommunikation benutzt. Dadurch entsteht das Bedürfnis, diese Infrastruktur widerstandsfähiger zu machen. Mit der zunehmenden Nutzung des Weltraums steigt der Bedarf an flexibleren und kostengünstigeren Startdienstleistungen, um als geopolitisches Schwergewicht agieren zu können.

Die Ratstagung 2025 der Europäischen Weltraumorganisation auf Ministerebene in Bremen stand daher unter besonderen Vorzeichen. Unter dem Motto «Elevate the Future of Europe» verfolgt die ESA das Ziel, den Raumfahrsektor in Europa autonomer, resilienter und wettbewerbsfähiger zu gestalten. Auf der Agenda standen Vorschläge, wie die laufenden Programme und Missionen weitergeführt werden und welche neuen dazukommen sollen. Neu ist die Initiative European Resilience from Space (ERS). Unter dieser Initiative soll eine resiliente und interoperable europäische Infrastruktur aufgebaut werden, die für zivile und militärische Zwecke (dual-use) genutzt werden kann. Sie umfasst Erdbeobachtung (zeitlich und räumlich hochauflösend), sichere Positions- und Navigationsbestimmung und verschlüsselte Kommunikation. Besonders wichtig bleibt auch Europas unabhängiger Zugang zum Weltraum. Er wird bis auf weiteres durch den Betrieb der Trägerraketen Ariane 6 und Vega C sichergestellt. Mit der European Launcher Challenge, einer Ausschreibung für Unternehmen für innovative und mehr wettbewerbsorientierte Startdienstleistungen, soll gleichzeitig die Zukunft vorbereitet werden.

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Rekordhohe Investitionen

In Bremen adoptierten die Mitgliedstaaten diese Strategie und gaben ihre finanziellen Beiträge und Prioritäten für die kommenden Jahre bekannt. Die Ministerinnen und Minister sprachen die Rekordsumme von rund 22,3 Milliarden Euro. Bei einigen Programmen, so namentlich für ERS und die European Launcher Challenge, wurden die erwarteten Zeichnungen weit übertroffen. Ausserdem tätigen die Mitgliedstaaten Investitionen in die Exploration, das Wissenschaftsprogramm, Erdbeobachtung, Navigation und Telekommunikation, Technologie und Weltraumsicherheit sowie Weltraumtransport. Das Wissenschaftsprogramm erhielt einen besonders grossen Zuspruch, so dass die ESA ihre Führungsrolle in der Weltraumforschung weiter ausbauen kann.

Als Zeichen der zunehmenden Wichtigkeit der Raumfahrt hat eine Mehrheit der Mitgliedstaaten ihre Verpflichtungen signifikant erhöht, in manchen Fällen sogar mehr als verdoppelt. Auch die Schweiz verpflichtete sich mit einem Beitrag von 781 Millionen Euro und erhöhte damit ihr Engagement bei der ESA. Damit setzte sie ebenfalls ein klares Bekenntnis zur Raumfahrt in Europa. Sie engagiert sich in den kommenden Jahren vor allem in Programmen in den Bereichen Technologie und Innovation, Planetenabwehr und Asteroidenbeobachtung, Navigation und Quantentechnologie sowie Exploration und wissenschaftliche Instrumente (Prodex). Zum Beispiel sollen im Programm HummingSat unter dem Lead eines Schweizer Unternehmens Mini-Telekommunikationssatelliten in der Grösse einer Waschmaschine entwickelt werden. Die Schweiz unterstützt auch aktiv die Mission Ramses, in der eine Raumsonde einen Asteroiden während seinem Vorbeiflug an der Erde begleitet, um Erkenntnisse für künftige Objekte auf Kollisionskurs mit der Erde zu gewinnen.

Mit den gesprochenen Beiträgen und den geplanten Programmen der ESA für die kommenden Jahre ist die europäische Raumfahrt in einer guten Ausgangslage, um sich auf eine kompetitive, eigenständige und widerstandsfähige Art weiterzuentwickeln.

Europäische Weltraumorganisation (ESA)

Die ESA ist eine internationale Organisation mit Sitz in Paris. Sie wurde 1975 gegründet und umfasst heute 23 Mitgliedstaaten. Ihre Programme decken das ganze Spektrum der Raumfahrt ab. Die Schweiz ist Gründungsmitglied der ESA und beteiligt sich an fast all ihren Programmen. Die ESA ist so organisiert, dass die Beiträge eines Mitgliedstaates in Form von Aufträgen in die Industrie und Forschung dieses Staates zurückfliessen (Prinzip des Georeturns). Die Investitionen der Schweiz stärken deshalb auch die hiesige Wirtschaft und Wissenschaft.


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Teresa Rudolph