«Manchmal öffnet ein spontanes Ja Türen, an die man gar nicht gedacht hat»
Die Wissenschafts-Olympiade fördert junge Talente. Wer daran teilnimmt, macht oft den ersten Schritt hin zu vielfältigen Begegnungen mit Gleichaltrigen auf internationaler Ebene, die sich für Wissenschaft und Zukunftsfragen begeistern und sich dafür engagieren wollen.
Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation fördert die nächste Generation an Forschenden, Erfindern und Gestaltern, indem es Organisationen wie die Wissenschafts-Olympiade (WO), die Stiftung Schweizer Jugend forscht (SJf) und die Schweizerische Studienstiftung (SST) unterstützt. Die drei Organisationen konzentrieren sich schweizweit auf junge Talente ab Sekundarstufe II in verschiedenen Disziplinen sowie in allen Bildungsbereichen. Sie arbeiten vernetzt mit weiteren Organisationen wie zum Beispiel den Berufsmeisterschaften SwissSkills oder Young Enterprise Switzerland (YES). Gemeinsam ermöglichen sie die Entfaltung von akademischen und praxisnahen Begabungen, inspirieren zur individuellen nationalen und internationalen Vernetzung und wecken die Neugier auf transdisziplinäre Herangehensweise an zukunftsrelevante Fragen und Lösungen. Sie machen Wissenschaft und Innovation erlebbar und ermöglichen wertvolle Erfahrungen in Ergänzung zu solchen, die innerhalb formaler Bildungsstrukturen gemacht werden können.
An den Wissenschafts-Olympiaden in der Schweiz messen sich Schülerinnen und Schüler in den elf Fächern Astronomie, Biologie, Chemie, Geographie, Informatik, Linguistik, Mathematik, Philosophie, Physik, Robotik sowie Wirtschaft. Dafür erhalten die Teilnehmenden fachspezifisches Training von entsprechenden Expertinnen und Experten. Deren Engagement und vor allem auch dasjenige von Schulen und Lehrpersonen ist entscheidend für einen chancengerechten, nachhaltigen und oft auch spielerischen (Wissenschaft darf und soll auch Spass machen) Zugang zu den Herausforderungen der verschiedenen Olympiaden. All das wirkt: Jedes Jahr steigen die Teilnehmerzahlen.
Die national Besten ihres Fachs erhalten die Chance, die Schweiz auf internationalem Terrain zu repräsentieren. Dies oft mit grossem Erfolg, 2024/2025 beispielsweise gewannen die Schweizer Teams in den verschiedenen Disziplinen insgesamt 76 Medaillen und Ehrenmeldungen.
Internationale Wirtschafts-Olympiade in der Türkei
Adrien Zaradez erzählt in seinem Interview mit dem Newsportal E2 über seine positiven Erfahrungen mit dieser Form der Talentförderung. Für ihn als damaliger Gymnasiast der Kantonsschule Hottingen öffnete 2022 ein spontanes Ja zur Teilnahme an der Wirtschafts-Olympiade Türen, an welche er gar nicht gedacht hatte. Die Wirtschafts-Olympiade ist ein gemeinsames Projekt von YES und der Wissenschafts-Olympiade. Talentierte Jugendliche erhalten praxisnahe Förderung in Wirtschaft, Finanzen und Unternehmertum und die Möglichkeit, zahlreiche Kontakte zu knüpfen. Adrien Zaradez gewann 2022 auf nationaler Ebene die Goldmedaille und wurde im selben Jahr für seinen Mut und sein Talent mit einer Bronzemedaille an der internationalen Wirtschafts-Olympiade in der Türkei belohnt. Dort mass sich das vierköpfige Team aus der Schweiz erfolgreich mit 40 Teams aus aller Welt. Es erreichte den 16. Platz und sein «Business Case» landete in den Top 10. Ausschlaggebend für die individuellen Leistungen waren der persönliche internationale und interkulturelle Austausch, der unterschiedliche Denkweisen zusammenbrachte, sowie intensive Teamarbeit oft bis in die frühen Morgenstunden.
Der olympische Erfolg und die wertvollen Erfahrungen bei der Zusammenarbeit mit engagierten jungen Erwachsenen machten für Adrien Zaradez den Weg kurz zum International Swiss Talent Forum (ISTF) in Lausanne, welches jährlich von SJf organisiert wird. Die Teilnehmenden aus der Schweiz werden jeweils von den WO, SJf, SST sowie auch SwissSkills nominiert und eingeladen. Für die Nomination der Teilnehmenden aus dem Ausland sind die entsprechenden Partnerorganisationen verantwortlich. Das ISTF 2023 adressierte «Circular Economy» und war also auf die Interessen und Kompetenzen von Adrien Zaradez zugeschnitten. Ein hochaktuelles, vielschichtiges und komplexes Thema, zu welchem rund 70 junge Erwachsene aus wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Perspektive Lösungen suchten und fanden. Begleitet wurden sie dabei von Coaches und Challengers, die das Forum massgeblich gestalten und das transdisziplinäre Zusammenarbeiten in internationalen Teams fass-, erleb- und präsentierbar machen. Die Kraft der Transdisziplinarität war es auch, die Adrien Zaradez besonders faszinierte. So nahm er 2025 nochmals am ISTF teil – diesmal in Murten zum Thema «The Future of Work».
Der früher Geförderte wird selbst Mentor
Die vielseitigen Erfahrungen, die er machen konnte dank den WO und SJf sowie deren Zusammenarbeit mit anderen Organisationen, die sich für junge Talente einsetzen, veranlassten den jungen Informatikstudenten, als Alumnus die Wirtschafts-Olympiade selbst mitzugestalten. Es ist äusserst wertvoll und zu verdanken, dass Alumni, die das olympische Feuer gemeinsam mit Mentoren und Gönnern auf ehrenamtlicher und professioneller Ebene weitergeben, die nächste Generation herausragender Köpfe und Türöffner in Bildung, Forschung und Innovation begleiten und formen.
Kontakt
Autoren/Autorinnen
Claudia Lippuner