«NFS sind ein zentrales Instrument zur Stärkung der Schweizer Spitzenforschung»

Ab Frühling 2026 unterstützt der Bund sechs neue Nationale Forschungsschwerpunkte. Der Schweizerische Nationalfonds (SNF) ist zuständig für die Ausschreibung und Evaluation dieser Programme. Im Interview erklärt Torsten Schwede, Präsident des Forschungsrates des SNF, wie die Auswahl erfolgt und welche Bedeutung die neuen NFS für den Forschungsstandort Schweiz haben.

11.03.2026
Autor/in: Mia Mader
Porträt eines Mannes im Anzug.
Torsten Schwede ist seit 2025 der Präsident des SNF-Forschungsrats. Bild: Adrian Moser, SNF

Welche Rolle spielt der Schweizerische Nationalfonds bei der Auswahl von neuen Nationalen Forschungsschwerpunkten?

Der SNF führt im Auftrag des Bundes die Ausschreibungen durch und ist für die wissenschaftliche sowie strukturelle Evaluation der eingereichten NFS-Vorschläge zuständig. Er setzt dabei auf bewährte, standardisierte Prozesse, die eine faire und transparente Evaluation gewährleisten. Darauf gestützt erstellt er eine Shortlist exzellenter Vorhaben, die er zur Förderung empfiehlt, und unterbreitet sie dem SBFI zur forschungs- und hochschulpolitischen Beurteilung.

Wie viele Gesuche hat der SNF für die aktuelle 6. Serie erhalten und wie ging er bei der Evaluation vor?

Der SNF evaluierte zunächst Skizzen, die die Ziele und das Potenzial der vorgesehenen NFS aufzeigten, und anschliessend umfangreiche NFS-Gesuche. Die 75 eingereichten Skizzen wurden von internationalen Expert:innen aus unterschiedlichen Fachgebieten gemäss den Kriterien des Ausschreibungsdokuments beurteilt; alle Gesuchstellenden erhielten dazu ein Feedback. Die 38 daraus resultierenden Gesuche wurden erneut international begutachtet und durch Interviews mit den Gesuchstellenden ergänzt, um Qualität, Kohärenz und Umsetzbarkeit der Vorhaben vertieft beurteilen zu können. Basierend auf diesen Evaluationsergebnissen, erstellte der SNF die Shortlist der empfohlenen Gesuche.

Nationale Forschungsschwerpunkte haben eine Laufzeit von bis zu zwölf Jahren – warum ist eine solch langfristige Förderung wichtig?

Der Aufbau exzellenter Forschungsschwerpunkte benötigt Zeit. Langfristige Förderung ermöglicht zudem eine nachhaltige Verankerung und den Ausbau von Infrastrukturen, neuen Professuren, Ausbildungsangeboten und stabilen nationalen sowie internationalen Netzwerken. Dank dieser Langfristigkeit lassen sich ambitionierte wissenschaftliche Ziele verfolgen.

Wie schätzen Sie die Bedeutung dieses Förderinstruments für die Schweizer Forschung und Innovation ein?

NFS sind ein zentrales Instrument zur Stärkung der Schweizer Spitzenforschung. Sie bündeln Kompetenzen über Institutionen und Disziplinen hinweg, erhöhen die internationale Sichtbarkeit und fördern Innovation. Zudem unterstützen sie die Schweizer Forschungslandschaft dabei, sich in strategisch wichtigen Bereichen über institutionelle Grenzen hinweg zu profilieren und den wissenschaftlichen Nachwuchs gezielt zu fördern.

Welche Themen können mit NFS besonders gut bearbeitet werden? Wie profitiert die Bevölkerung davon?

Das Förderinstrument steht allen Forschungsgebieten offen. Es eignet sich besonders für komplexe, gesellschaftlich relevante Fragestellungen, die interdisziplinäre Ansätze und langfristige Zusammenarbeit erfordern. Ein Beispiel ist der neu lancierte Nationale Forschungsschwerpunkt CLIM+, der durch die Integration von Natur- und Sozialwissenschaften Klimaextreme und die Anpassung des Menschen an den Klimawandel erforscht. Forschende erhalten dabei die Freiheit, innovative Ansätze zu entwickeln und disziplinäre sowie institutionelle Grenzen zu überwinden. Die Bevölkerung profitiert von neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen, Innovationen und gezieltem Wissenstransfer.

Wie wird sichergestellt, dass die geförderten NFS in strategisch wichtigen Bereichen für die Schweiz langfristig Wirkung erzielen?

Die grundsätzliche Relevanz eines Themas wird zu Beginn durch die internationale Begutachtung und die Einbettung in nationale forschungs- und hochschulpolitische Prioritäten sichergestellt. Die Hochschulen tragen dann durch finanzielle und strukturelle Unterstützung wie beispielsweise neue Professuren, Ausbildungsprogramme oder Technologieplattformen zur nachhaltigen Verankerung bei. Die NFS verfügen über eine hohe wissenschaftliche Flexibilität und können auf neue Entwicklungen rasch reagieren sowie Fördergelder neu ausrichten. Zudem werden sie regelmässig durch den SNF evaluiert und erhalten Empfehlungen zur weiteren Stärkung ihrer internationalen Position.

6. Serie Nationale Forschungsschwerpunkte

Bundespräsident Guy Parmelin, Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung, hat die Lancierung von sechs neuen NFS in den Bereichen Medizin, Quantum und Klima beschlossen. Die Forschungsvorhaben werden vom Bund von 2026 bis 2029 mit knapp 99 Millionen Franken unterstützt. Die beteiligten Hochschulen und Forschungsinstitute steuern Mittel in mindestens demselben Umfang bei.

Da unter den bewilligten Programmen keines aus den Geistes- und Sozialwissenschaften (GSW) ist, führt das WBF ein kompetitives Zusatzverfahren durch. Das SBFI wird im Hinblick auf das geplante Zusatzverfahren für die GSW mit dem SNF an die Fachgemeinschaft gelangen, um Bedürfnisse und Herausforderungen für die GSW angemessen adressieren zu können. Die Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften wird dabei konsultiert.


Kontakt
Nicole Schaad, SBFI Nationale Forschung nicole.schaad@sbfi.admin.ch +41 58 463 59 85
Autor/in
Mia Mader

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