Forschungsinfrastrukturen Internationale Zusammenarbeit

10 Jahre ELIXIR

ELIXIR, die Europäische Infrastruktur für biologische Daten, feiert 2024 ihr 10-jähriges Bestehen. Mit ihrem aktuellen 5-Jahresprogramm wagt sie sich näher an gesellschaftliche Herausforderungen. Und hat ab März 2024 einen neuen Direktor: Prof. Tim Hubbard.

20.02.2024
Autor/in: Doris Wohlfender
Menschen schauen sich verschiedene Infotafeln an
Beim jährlichen All Hands Meeting kommt die ELIXIR Community zusammen. Bild: ELIXIR.

Am 18. Dezember 2013 war die offizielle Geburtsstunde von ELIXIR als internationale Organisation. An diesem Tag haben fünf Mitglieder – darunter die Schweiz – die ELIXIR-Vereinbarung ratifiziert. In den letzten zehn Jahren hat ELIXIR den Zugang zu Life-Sciences-Daten für Forschende in den ELIXIR-Mitgliedstaaten und darüber hinaus vereinfacht und damit die Forschung in diesem Bereich beschleunigt. 

Daten von einer Million Menschen

Seit 2014 hat ELIXIR mehrere grosse europäische Projekte koordiniert. Eines der jüngsten Beispiele ist die European Genomic Data Infrastructure (GDI). Dieses Projekt ist im November 2022 gestartet, soll vier Jahre dauern und wird von der Europäischen Kommission mit 40 Millionen Euro unterstützt. Ziel des Projektes ist es, eine Infrastruktur aufzubauen, die es Forscherinnen und Forschern erlauben wird, auf die Genome von einer Million Personen aus Europa zuzugreifen. Damit sollen sie auch Informationen zu diesen Personen erhalten, beispielsweise zu ihrem Gesundheitsstatus. 

Diese Daten sind sehr heikel und dürfen nicht zentral gespeichert werden, sondern müssen auf Servern in den Ursprungsländern bleiben. Der Zugriff darauf ist nur sehr selektiv möglich, und die Rohdaten können für Analysen genutzt, nicht aber exportiert werden. Diese Dateninfrastruktur muss sehr hohen Anforderungen gerecht werden und weist viele Schnittstellen auf.

Karte mit den Mitgliedsstaaten orange hinterlegt
Die 22 ELIXIR-Mitgliedstaaten (+EMBL) und die drei ELIXIR-Beobachterstaaten (Österreich, Rumänien und Zypern) bilden ein Netzwerk, welches ganz Europa umfasst.

Neues Arbeitsprogramm ab 2024

Anfang 2014 startete ELIXIR mit seinem ersten 5-Jahres-Programm. Und nun, zehn Jahre später, hat das ELIXIR-Programm für die Jahre 2024–2028 begonnen. 

ELIXIR wagt sich in seinem dritten Programm näher an gesellschaftliche Herausforderungen. Die neuen Themen sind die Abnahme der Biodiversität, die Ernährungssicherheit sowie neuartige Krankheitserreger. Diesen drei Herausforderungen ist gemeinsam, dass molekulare Technologien zu deren Bewältigung beitragen können. Somit ist der Zugang zu und das Teilen von entsprechenden Daten unerlässlich für erfolgreiche Forschung. Diese neuen thematischen Schwerpunkte in den Aktivitäten von ELIXIR sind also eine gute Nachricht für alle Forscherinnen und Forscher, die in diesen Gebieten tätig sind. 

Gewisse bestehende thematische Bereiche wie Humangenomik werden im neuen Programm verstärkt. So soll auch die Integration der ELIXIR-Knoten weitergeführt werden. Die Stärkung von Open Science soll dazu führen, dass wissenschaftliche Ergebnisse allen offen stehen, damit die Gesellschaft stärker von diesen Ergebnissen profitiert. ELIXIR unterstützt seine Mitglieder bei der Umsetzung von Open-Science-Prinzipien und sowie bei der Zusammenarbeit mit der Industrie.

Neuer Direktor

Ein Mann in Hemd und mit rahmenloser Brille

Im März 2024 übernimmt Prof. Tim Hubbard den Posten als Direktor von ELIXIR. Er hat eine Professur in Bioinformatik am Departement für medizinische und molekulare Genetik am King’s College in London inne. Als Direktor folgt er auf Niklas Blomberg, der ELIXIR seit 2014 erfolgreich geführt hat. 

Warum wollten Sie Direktor von ELIXIR werden?

Ich war an der Planung für europaweite Projekte und Entwicklungen wie «Beyond one million genomes» beteiligt. Als Direktor von ELIXIR werde ich die spannende Gelegenheit haben, auch an der Umsetzung dieser Vorhabend mitzuwirken. Zudem habe mich immer für die Mission von ELIXIR stark gemacht. Bereits 2005 war ich Teil der Expertengruppe, die die ersten Vorschläge für biologische Infrastrukturen ausgearbeitet hat.

Wo sehen Sie aktuell die grössten Herausforderungen für ELIXIR? 

Es ist klar, dass Künstliche Intelligenz (KI) einen grossen Einfluss sowohl auf die biologische Grundlagenforschung als auch auf die Umsetzung, beispielsweise im Gesundheitswesen, haben wird. Eine grosse Herausforderung für ELIXIR besteht darin, die Koordination und die Standards innerhalb der ELIXIR-Mitglieder zu gewährleisten, damit die Möglichkeiten und Vorteile der KI optimal genutzt werden können.

Welche Ziele haben Sie für ELIXIR?

ELIXIR hat kürzlich sein wissenschaftliches Programm für die Jahre 2024 bis 2028 veröffentlicht. Ein wichtiges Thema sind Humandaten und translationale Forschung. Hier sehe ich die Gelegenheit für ELIXIR, die Interoperabilität von Gesundheitsdaten in ganz Europa zu fördern. 

In Anbetracht der Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes muss eine Infrastruktur aufgebaut werden, die die sichere Bearbeitung von Datensätzen, die in unterschiedlichen Ländern gespeichert sind, erlaubt. Die Koordination in ganz Europa und in den einzelnen Ländern wird entscheidend sein. In der Schweiz beispielsweise ist das Schweizerische Institut für Bioinformatik (SIB) führend auf diesem Gebiet. Ich möchte diese nationalen Bemühungen in europaweite Aktivitäten einbinden.

Was ist ELIXIR?

ELIXIR ist die Europäische Infrastruktur für biologische Daten. Sie ist als dezentrale Infrastruktur organisiert und hat 23 Mitglieder (22 nationale Knotenpunkte in den Mitgliedstaaten sowie das Europäische Laboratorium für Molekularbiologie EMBL). Der zentrale Hub von ELIXIR befindet sich in Hinxton (Vereinigtes Königreich). Die verschiedenen Knotenpunkte beitreiben Datenbanken und Analysetools, auf welche die Forschung im Bereich Life Sciences angewiesen ist. Das Swiss Institute of Bioinformatic (SIB) ist der Schweizer Knotenpunkt und war eine der treibenden Kräfte beim Aufbau von ELIXIR. 


Kontakt
Doris Wohlfender, SBFI Wissenschaftliche Beraterin Ressort Internationale Forschungsorganisationen doris.wohlfender@sbfi.admin.ch +41 58 46 51226