Interview mit Markus Hodel, Präsident des Schweizerischen Akkreditierungsrates

Markus Hodel präsidiert seit 2023 den Schweizerischen Akkreditierungsrat. Zuvor war er Rektor der Hochschule Luzern sowie Mitglied des Stiftungsrats des Schweizerischen Nationalfonds und verschiedener Delegationen der Rektorenkonferenz swissuniversities.

31.05.2023
Autor/in: Laura Stirnimann
Porträt eines Mannes der einen Anzug und Brillen trägt
Markus Hodel präsidiert seit 2023 den Schweizerischen Akkreditierungsrat. Zuvor war er Rektor der Hochschule Luzern sowie Mitglied des Stiftungsrats des Schweizerischen Nationalfonds und verschiedener Delegationen der Rektorenkonferenz swissuniversities.

Seit 1. Januar 2023 sind Sie Präsident des Schweizerischen Akkreditierungsrates. Welche Aufgaben fallen Ihnen mit diesem Amt zu?

Meine Aufgaben definieren sich aus dem gesetzlichen Auftrag des Akkreditierungsrates. Grundlage ist das 2015 in Kraft getretene Hochschulförderungs- und -koordinationsgesetz (HFKG). Der Akkreditierungsrat ist ein gemeinsames Organ von Bund und Kantonen und entscheidet über die Akkreditierungen. Die institutionelle Akkreditierung ist Voraussetzung für das Bezeichnungsrecht: Will sich eine Hochschule «Universität», Fachhochschule» oder «Pädagogische Hochschule» nennen, muss sie sich akkreditieren lassen. Sie ist auch eine Voraussetzung, um öffentliche Mittel beantragen zu können. Als Präsident leite ich den Akkreditierungsrat und sorge für sein einwandfreies Funktionieren.

Welche Dossiers liegen aktuell bzw. für das laufende Jahr auf Ihrem Schreibtisch?

Neben den laufenden und umfangreichen Akkreditierungsgeschäften sind es die Themen, die im externen Evaluationsbericht zum HFKG aus dem letzten Jahr aufgeführt sind: Das unabhängige Verhältnis von Rat und Schweizerischer Agentur für Akkreditierung und Qualitätssicherung (AAQ) sowie der Austausch zwischen dem Akkreditierungsrat und der Schweizerischen Hochschulkonferenz (SHK). Hier sollen Klärungen bzw. Verbesserungen erzielt werden. Weiterhin steht die Frage im Raum, wie Re-Akkreditierungen von bereits akkreditierten Hochschulen vereinfacht werden können. Daueraufgaben bleiben die Verbesserung der Kommunikation und intensivere Kontakte mit den Stakeholdern.

«Das Akkreditierungssystemschafft gleich lange Spiesse für alle Hochschultypen.»

Markus Hodel

Das System der obligatorischen institutionellen Akkreditierung wurde 2015 eingeführt. Was funktioniert aus Ihrer Sicht gut? Wo gibt es Optimierungspotenzial?

Der vorhin erwähnte Evaluationsbericht stellt dem Akkreditierungswesen und dem Akkreditierungsrat ein insgesamt gutes Zeugnis aus, obschon es natürlich Verbesserungspotenzial gibt. Das System ist acht Jahre nach seiner Einführung etabliert und schafft gleich lange Spiesse für alle Hochschultypen. Die Akkreditierung ist für die Hochschulen aufwändig und wird oft als zu bürokratisch empfunden. Generell wird eine Vereinfachung gewünscht – diese zu realisieren ist allerdings nicht ganz einfach, da die regulatorische Dichte hoch ist. Ein gewisses Spannungsfeld orte ich auch bei der institutionellen Akkreditierung von privaten Hochschulen, die manchmal auf der Basis ausländischer Geschäftsmodelle operieren und gewisse Schwierigkeiten haben, die gesetzlich basierten hochschultypologischen Kriterien zu erfüllen. Die Verfügungen des Akkreditierungsrates erfordern in diesen Fällen grossen juristischen Aufwand, damit sie allfälligen Rekursen standhalten.

Als ehemaliger Rektor der Hochschule Luzern sowie dank Tätigkeiten in verschiedenen nationalen Gremien kennen Sie die Hochschullandschaft Schweiz gut. Wodurch zeichnet sie sich aus?

Das Wichtigste ist: Der Hochschulraum Schweiz gehört zu den weltbesten! Die hervorragende Qualität der einzelnen Hochschulen ist die entsprechende Voraussetzung. Dass dies so bleibt, ist eine grosse Herausforderung. Wichtig dafür sind ausgezeichnete Lehrende und Forschende, ein kompetentes Hochschulmanagement und genügend (finanzielle) Ressourcen. Gute Rahmenbedingungen wie eine Assoziierung an Horizon Europe spielen ebenso eine Rolle. Gewinnbringend für die Hochschullandschaft Schweiz ist die Diversität der Hochschultypen bei gleichzeitiger Durchlässigkeit sowie die gute Zusammenarbeitskultur.

Welches sind aus Ihrer Sicht die drängendsten Herausforderungen für die Hochschulen in der Schweiz?

Die grossen Wachstumsphasen scheinen zumindest vorerst vorbei. Dies stellt die Hochschulen vor neue, auch kulturelle und «innenpolitische » Herausforderungen. Es gilt Sorge zu tragen, damit die hohe Dynamik der letzten Dekaden nicht gebrochen und die Prozesse verlangsamt werden. Denn der globale Wettbewerb unter den Hochschulen wird weiter an Fahrt gewinnen.


Autor/in
Laura Stirnimann