Was haben Turbinen mit «Learning for the Future» zu tun?
Die Stiftung Schweizer Jugend forscht (SJf) fördert nicht bloss Talente aus der akademischen Welt, sondern auch solche aus der Berufsbildung. Jedes Jahr prämiert SJf herausragende Arbeiten am Nationalen Wettbewerb und vernetzt Talente international. Eines dieser Talente ist Noel Rhyner, der nach einer absolvierten Berufslehre heute an der ETH studiert.
Bund und Kantone sorgen beide gemeinsam im Rahmen ihrer Zuständigkeiten für eine hohe Qualität und Durchlässigkeit des Bildungsraumes Schweiz. Über die formalen Bildungsgänge hinaus ist die ausserschulische Talentförderung ein grosses Anliegen. So unterstützt das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation beispielsweise die Stiftung Schweizer Jugend forscht (SJf), die gemeinsam mit anderen Organisationen (siehe Kasten) im Bereich der Talentförderung die Entfaltung von akademischen und praktischen Begabungen ermöglicht, zur individuellen nationalen und internationalen Vernetzung inspiriert und die Neugier auf transdisziplinäre Herangehensweise an zukunftsrelevante Fragen und mögliche Lösungen weckt.
Von der Werkbank an die ETH
Personifizierter Beleg dafür, dass es im horizontal und vertikal durchlässigen Schweizer Bildungssystem keinen Abschluss ohne Anschluss gibt, ist Noel Rhyner. Im Anschluss an die obligatorische Schule hat er eine Berufslehre sowie die technische Berufsmaturität absolviert. Danach bestand er die Ergänzungsprüfung Passerelle «Berufsmaturität/Fachmaturität – universitäre Hochschulen», welche Personen mit einem eidgenössischen Berufsmaturitätszeugnis oder einem gesamtschweizerisch anerkannten Fachmaturitätszeugnis den Zugang zu den universitären und pädagogischen Hochschulen der Schweiz erlaubt. Seine Motivation war, seine Berufserfahrungen als Anlagen- und Apparatebauer an der Werkbank mit theoretischem akademisch ausgerichtetem Wissen in Maschinenbau zu ergänzen, wie er dem Newsportal E2 in seinem Interview berichtet. Er ist auf dem Weg dazu, auf individueller Ebene das zu haben, was innovative Unternehmen heute oft nachfragen: einen Mix aus «Skills» und «Grades».
Aus einer Idee wird ein Projekt im Rahmen von Schweizer Jugend forscht
Noel Rhyner schildert den Anfang seines Projekts wie folgt: «Stellen Sie sich vor, Sie stehen an einem Bahnsteig nahe dieser weissen Linie und ein Zug fährt ein. Da spüren Sie diesen Sog und ich fragte mich dann, ob man wohl daraus Energie gewinnen kann». Eine Berufsfachschullehrperson half ihm dann, einen Generator für die selbstkonstruierten Turbinen auszulegen und motivierte ihn zur Teilnahme am Nationalen Wettbewerb von SJf.
Ambitionierte Lehrpersonen in Gymnasien und Berufsfachschulen sowie Ausbildnerinnen und Ausbildner in Betrieben sind die Ambassadoren von SJf, die begabte und intrinsisch motivierte Jugendliche anspornen, sich für den Nationalen Wettbewerb anzumelden. Seit gut zehn Jahren werden jährlich jeweils rund 400 Arbeiten eingereicht. Eine Wettbewerbskommission wählt die Arbeiten für den Halbfinal aus. Sie besteht aus Fachpersonen, die von Sprachwissenschaft bis Mathematik alle möglichen Fachgebiete sowie die Landessprachen Deutsch, Französisch und Italienisch abdecken. Es sind diese Fachpersonen, die aus ihrem Netzwerk Expertinnen und Experten suchen, die die Jugendlichen auf ihrem Weg ins Final 1 : 1 coachen und so einen Lernprozess von unschätzbarem Wert für die jungen Menschen gewährleisten. Verbesserungsvorschläge werden eingearbeitet und je nach Beurteilung der Umsetzung wird eine Arbeit von der Wettbewerbskommission für den Final ausgewählt. 2023 schafften dies knapp 130 Projekte. Am Final begutachten die Expertinnen und Experten alle Projekte aus dem eigenen Fachbereich und es liegt dann in der Verantwortung der zuständigen Fachperson aus der Wettbewerbskommission, den Prozess der finalen vergleichenden Zuteilung der Prädikate (Medaillen) zu moderieren.
Das Wettbewerbsprojekt von Noel Rhyner trug den Titel «Energiegewinnung durch fahrzeuginduzierte Luftströmung». Dafür entwickelte er Vertikalturbinen für die Umwandlung von fahrzeuginduzierten Strömungen in elektrische Energie. Seine Arbeit wurde im Vergleich mit weiteren 24 Projekten im Bereich Physik & Technik am Final des Nationalen Wettbewerbs 2023 mit dem Prädikat «sehr gut» ausgezeichnet, was einer Silbermedaille entspricht. Zusätzlich erhielt er als Sonderpreis die Gelegenheit, sein Projekt im selben Jahr am «Swiss Innovation Forum» einem breiten Publikum vorzustellen und an den verschiedenen Sessions des Forums teilzunehmen.
Welche Skills für die Berufsprofile von morgen?
2024 folgte seine Teilnahme am 13. International Swiss Talent Forum zum Thema «Learning for the Future». Schweizer Jugend forscht gibt ausgewählten Finalistinnen und Finalisten des Nationalen Wettbewerbs jeweils die Möglichkeit, sich am ISTF national und international mit insgesamt gut 80 Talenten zu vernetzen, die von Partnerorganisationen im In- und Ausland nominiert wurden. Während fünf Tagen begleiteten Challengers und Coaches fünf international zusammengestellte Teams beim Lernprozss zur Entwicklung neuer Ideen für morgen. Diese Ideen waren 2024 geprägt von vielfältigen Erfahrungen mit nationalen Bildungssystemen und den unterschiedlichen Möglichkeiten, die sie für das Erwerben der gefragtesten Skills für die Berufsprofile von morgen bereit halten. Noel Rhyner mit seinem Werdegang hatte dazu einiges mit seinen Kolleginnen und Kollegen zu teilen.
Die Stiftung Schweizer Jugend forscht (SJf) fördert junge Talente in Zusammenarbeit mit den Wissenschaftsolympiaden (WO) und der Schweizerischen Studienstiftung (SST). Die drei Organisationen konzentrieren sich schweizweit auf junge Talente ab Sekundarstufe II in verschiedenen Disziplinen sowie in allen Bildungsbereichen. Sie arbeiten vernetzt mit weiteren Organisationen wie zum Beispiel den Berufsmeisterschaften SwissSkills. Gerade bei Ausbildungsbetrieben ist das Interesse gross, Ihre Lernden teilweise in ganzen Teams darauf vorzubereiten, ihre Fertigkeiten an den Meisterschaften unter Beweis zu stellen. SwissSkills geben darüber hinaus den einzelnen Berufsbranchen die Möglichkeit, ihre Berufe einem breiten Publikum vorzustellen.
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Autoren/Autorinnen
Claudia Lippuner