Warum der Bildungsbericht uns alle angeht
Geopolitische Krisen und technologische Umbrüche stellen die Schweiz vor grosse Herausforderungen. Bildung ist ein zentraler Schlüssel, um wirtschaftliche Stärke, gesellschaftlichen Zusammenhalt und individuelle Chancen langfristig zu sichern. Der Bildungsbericht Schweiz 2026 zeigt, wo das System gut funktioniert und wo noch Handlungsbedarf besteht.
Ein Blick in die täglichen Nachrichten genügt: Geopolitische Spannungen, bewaffnete Konflikte und eine zunehmend unsichere internationale Lage prägen unsere Gegenwart. Gleichzeitig verändern technologische Entwicklungen – allen voran die Fortschritte in der künstlichen Intelligenz – Wirtschaft und Gesellschaft grundlegend.
In diesem Spannungsfeld kommt der Bildung eine Schlüsselrolle zu. Sie entscheidet darüber, ob kommende Generationen diese Veränderungen nicht nur bewältigen, sondern aktiv mitgestalten können. Bildung ist weit mehr als ein individuelles Gut – sie ist eine zentrale Voraussetzung für wirtschaftliche Stabilität, gesellschaftlichen Zusammenhalt und demokratische Teilhabe.
Umso wichtiger ist es, dass bildungspolitische Entscheidungen auf soliden Grundlagen beruhen. Genau hier setzt das Bildungsmonitoring von Bund und Kantonen an. Der Bildungsbericht Schweiz ist dabei das zentrale Instrument: Er zeigt, wo das System gut funktioniert – und wo Handlungsbedarf besteht. Er wurde von der Schweizerischen Koordinationsstelle für Bildungsforschung SKBF erstellt und erschien dieses Jahr in seiner fünften Ausgabe seit 2010.
Die Erkenntnisse des aktuellen Berichts geben uns Anlass, die gemeinsamen bildungspolitischen Ziele von Bund und Kantonen, die letztmals 2023 aktualisiert wurden, zu überprüfen und – wo erforderlich – weiterzuentwickeln. Ein zentrales Ziel bleibt dabei unverändert: 95 Prozent der 25-Jährigen sollen einen Abschluss auf Sekundarstufe II erreichen. Dieses Ziel ist ambitioniert, aber richtig. Denn ein solcher Abschluss ist entscheidend für den weiteren Lebensweg – er erleichtert den Einstieg in den Arbeitsmarkt, eröffnet Perspektiven für weiterführende Bildung und stärkt die Fähigkeit zum lebenslangen Lernen.
Doch die aktuellen Zahlen geben Anlass zur Aufmerksamkeit. Die Abschlussquote ist zuletzt leicht gesunken. Gleichzeitig zeigen sich Verschiebungen innerhalb des Systems: Der Anteil der Jugendlichen in der beruflichen Grundbildung nimmt leicht ab, und Lernende bringen beim Einstieg in die Lehre weniger Kompetenzen mit. Das ist keine Krise, aber ein klares Signal.
Stärken sichern, Herausforderungen angehen
Besonders bemerkenswert ist, dass Kantone mit einer starken Berufsbildung höhere Abschlussquoten aufweisen. Die Berufsbildung bleibt damit ein zentraler Pfeiler des Schweizer Bildungssystems – und ein Erfolgsmodell, das es zu stärken gilt. Die Bereitschaft der Betriebe, Ausbildungsplätze anzubieten, ist eine tragende Säule des Systems – aber keineswegs selbstverständlich. Dass Bund, Kantone und Wirtschaft gemeinsam an einer Roadmap zur Attraktivität der Berufsbildung arbeiten, ist deshalb ein wichtiger Schritt.
Gleichzeitig hat sich auch im tertiären Bereich viel bewegt. Seit der Jahrtausendwende hat sich der Anteil der 25- bis 35-Jährigen mit einem Abschluss auf Tertiärstufe verdoppelt. Heute verfügt jede zweite Person in dieser Altersgruppe über einen Abschluss der höheren Berufsbildung, an einer Universität, an einer pädagogischen Hochschule oder an einer Fachhochschule.
Gerade diese Vielfalt ist eine Stärke der Schweiz. Akademische und berufsorientierte Bildungswege ergänzen sich – sie sind keine Gegensätze, sondern zwei Seiten derselben Medaille. Entscheidend ist, dass die Durchlässigkeit gewährleistet bleibt: Ein-, Um- und Wiedereinstiege müssen im gesamten System selbstverständlich sein.
Neben Qualität und Durchlässigkeit steht auch der Aspekt der Effizienz im Fokus. Die Entwicklung von Studierendenzahlen, Abschlüssen und Kosten pro Person liefern wichtige Hinweise darauf, wie das System künftig gesteuert und finanziert werden kann. In Zeiten knapper öffentlicher Mittel stellt sich unweigerlich die Frage, wo Investitionen die grösste Wirkung entfalten.
Mit dem Bildungsbericht 2026 liegt eine umfassende und aktuelle Grundlage vor, um die Weiterentwicklung des Schweizer Bildungssystems faktenbasiert zu gestalten. Die nun anstehende Auswertung der Ergebnisse wird zeigen, welche Diskussionen der Bericht auslöst – und welche Konsequenzen daraus gezogen werden. Klar ist schon heute: Bildungspolitik bleibt eine Daueraufgabe. Und sie betrifft uns alle.