Trialogue Days: Ein neues Format für wissenschaftliches Engagement
Im Dezember 2024 trafen sich in Bengaluru 75 Expertinnen und Experten aus verschiedenen Bereichen zu den Trialogue Days: Planetary Health from Different Perspectives – Mind the Gap. Fünf Tage lang beschäftigten sich die Forschenden aus der Schweiz, Uganda und Indien mit komplexen, wechselseitig abhängigen Herausforderungen. Gemeinsam suchten sie nach interdisziplinären Lösungen, die allen Lebensformen zugutekommen.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Tagungen, auf denen Forschende oft nur Themen aus ihrem Nischenbereich präsentieren, regten die Trialogue Days die Teilnehmenden dazu an, über den Tellerrand ihrer Disziplin hinauszuschauen. Einige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stellten ihre Einladung zunächst in Frage und waren sich nicht sicher, welche Rolle sie in den Diskussionen fernab ihres eigentlichen Fachgebiets spielen sollten. Aber genau diese Vielfalt war gewollt: Die Gesundheit unseres Planeten muss aus unterschiedlichen Perspektiven angegangen werden.
Zur Bewältigung der miteinander verknüpften Herausforderungen müssen die verschiedenen Disziplinen ‒ von den Umweltwissenschaften über die öffentliche Gesundheit bis hin zu Landwirtschaft und Politik ‒ zusammenarbeiten, um nachhaltige, systemische Lösungen zu entwickeln.
Vernetzung verschiedener Disziplinen
Um einen produktiven Austausch anzuregen, wurden die Teilnehmenden einander bereits vor der Veranstaltung vorgestellt. So hatten sie genügend Zeit, sich kennenzulernen und erste Ideen zu entwickeln. Als sie sich dann persönlich trafen, entwickelten sich die Gespräche mühelos, die Ideen sprudelten und die Zusammenarbeit fühlte sich natürlich an. Diese frühe Vernetzung trug dazu bei, dass die Diskussionen vor Ort sowohl reflektiert als auch dynamisch geführt wurden.
Eine Gruppe nutzte ihre ersten Kontakte sogar, um einen Sketch zum Thema Dekarbonisierung vorzubereiten, der das Thema aus verschiedenen Perspektiven beleuchtete. In ihrem Stück ging es darum, wie eine von Hitze und schlechter Luftqualität geprägte, ruhelose Nacht Entscheidungen, Bewegungen und politische Massnahmen beeinflussen kann. Es zeigte die unsichtbare Verbindung zwischen persönlichem Wohlbefinden, städtischer Infrastruktur und globalen Systemen. Dabei ging es nicht nur um die Probleme eines Einzelnen, sondern um die systemischen Muster ganzer Städte: Was passiert, wenn die Erderwärmung den Rhythmus unseres Alltags bestimmt, von der Arbeit über die Mobilität bis hin zur Gesundheit? Der Sketch liess die Grenzen zwischen den Disziplinen verschwimmen und machte deutlich, dass Stadtplanung, Recht und Klimawissenschaften keine getrennten Bereiche sind, sondern ineinandergreifende Kräfte, die die Zukunft gestalten.
Während der Trialogue Days wurden in den Diskussionen organische Brücken zwischen den verschiedenen Themenfeldern geschlagen. Ein weiterer Beitrag befasste sich mit dem Zusammenspiel von Ökonomie, Verhaltenspsychologie und dem Einfluss der Medien auf die Gesundheit des Planeten.





Spiele und Rap
Verschiedene Brettspiele waren ebenfalls Teil der Veranstaltung. Das Spiel Tipping Point simulierte das Gleichgewicht zwischen Raum, natürlichen Ressourcen, menschlichen Aktivitäten und Ökosystemleistungen.
«Um zu gewinnen, mussten wir die Regeln und das Ziel des Spiels hinterfragen. Wir konnten Parallelen zu unserer aktuellen Herausforderung ziehen, nämlich die Gesellschaft zu einem nachhaltigeren Verhalten zu bewegen.»
Der Wissenschaftsrapper Jon Chase, bekannt durch seine Arbeit für BBC und die NASA, beobachtete und interagierte mit den Teilnehmenden während der gesamten Trialogue Days. Schliesslich fasste er die Essenz der Diskussionen in einem Song zusammen, den er live und unter Einbezug des Publikums vortrug. So wurden die wichtigsten Erkenntnisse der Veranstaltung zu einem zugänglichen und einprägsamen Gemeinschaftserlebnis.
Anhaltende Zusammenarbeit
Im Anschluss an die Trialogue Days wurden die Teilnehmenden eingeladen, Projektvorschläge einzureichen, die sich aus den Diskussionen ergeben haben. Für eine gemeinsame Initiative, die alle drei Länder und mindestens drei Disziplinen einbezieht, wurde eine Finanzierung in Höhe von 4000 Franken in Aussicht gestellt. Die finanzielle Unterstützung wurde schliesslich einer Gruppe zugesprochen, die mit Hilfe von Fernerkundung die Wechselwirkung zwischen Klimawandel, Urbanisierung und Gesundheit in Uganda untersuchen wird.
Die Trialogue Days wurden gemeinsam von der Universität Zürich, dem Infectious Diseases Institute der Universität Makerere (Uganda), dem Indian Institute of Science und Swissnex in Indien organisiert. Die Veranstaltung baute auf der jahrzehntelangen Partnerschaft zwischen der Universität Zürich und der Universität Makerere im Rahmen der Initiative Dialogue Days auf. Durch das Experimentieren mit neuen Beteiligungsformaten wollten die Organisatoren Vertrauen aufbauen und neue Ideen anregen ‒ ein Ansatz, der angesichts der Beiträge der Teilnehmenden und der anhaltenden Zusammenarbeit offensichtlich erfolgreich war. Forschende haben noch in diesem Jahr die Möglichkeit, bei der nächsten Ausschreibung des Indo-Swiss Joint Research Program zum Thema One Health ambitionierte Projekte zur Finanzierung einzureichen.
Swissnex for the Planet ist eine Initiative zur Erforschung einer neuen Form der Diplomatie, die darauf abzielt, die menschlichen und nicht-menschlichen Interessen auf unserem Planeten wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Die von Swissnex in Indien organisierten Trialogue Days waren ein Beispiel für dieses Bestreben und brachten Expertinnen und Experten aus der Schweiz, Uganda und Indien zusammen, um im interdisziplinären Dialog die Gesundheit unseres Planeten zu erforschen. Die nächsten Trialogue Days sind für 2026 geplant.
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