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Eine zielführende Innovationspolitik – damals, heute und in Zukunft

Konfrontiert mit globalen Herausforderungen wie Klimawandel oder Digitalisierung verändern sich die Innovationspolitiken auf globaler Ebene. Der Bund analysiert diese Entwicklungen und optimiert bei Bedarf die nationale Innovationsförderung.

14.05.2024
Autor/in: Laetitia Philippe
Eine Frau mit schulterlangen braunen Haaren, blauem Blazer und weissem Kragen vor einem grauen Hintergrund.
Laetita Philippe ist seit 1. Oktober 2023 Leiterin der Abteilung Nationale Forschung und Innovation im SBFI. Bild: Monique Wittwer

Die Schweiz belegt seit einigen Jahren die vordersten Plätze in internationalen Innovationsrankings. Bundesseitig wollen wir mit einer zielgerichteten und langfristigen Innovationspolitik dafür sorgen, dass dies auch in Zukunft so bleibt. Dabei sind die Gründe für dieses regelmässig gute Abschneiden einerseits vielfältig, anderseits ist das hohe Engagement des Privatsektors besonders hervorzuheben.

Zwei bewährte Grundsätze der Schweizer Innovationspolitik sind der Bottom-up-Fokus sowie die hohe Autonomie der Innovationsakteure. Sie finden sich schon in den Anfängen der Innovationsförderung durch den Bund, die auf die Gründung der Kommission für wissenschaftliche Forschung (KWF, heute Innosuisse) im Jahr 1944, also während dem 2. Weltkrieg, zurückgeht. Den besonderen damaligen Umständen und Bedürfnissen geschuldet war damals mehrheitlich von «Technologieförderung» oder «Technologiepolitik» die Rede. Sie hatte zum Ziel, technologische Entwicklungen zu fördern, damit die Schweiz ihre nationale Leistungsfähigkeit erhalten kann; das blieb auch so in den Nachkriegsjahren.

Die Förderung von Technologie und Innovation befand sich allerdings immer in einem Spannungsfeld zwischen Wissenschaftspolitik und liberaler Wirtschaftspolitik. So richtete sich schon die frühe Schweizer Technologiepolitik vor allem darauf aus, innovationsfreundliche Rahmenbedingungen bereitzustellen – zum Beispiel die moderate Besteuerung von Unternehmen oder ein stabiler institutioneller Rahmen.

Das ist bis heute aus dem einfachen Grund gerechtfertigt, dass der Privatsektor aus eigenem Antrieb ein dynamischer Motor für Forschung und Entwicklung in der Schweiz ist. Es sind in aller Regel die Unternehmen, die neue Ideen entwickeln und die Schwellen zwischen Forschung und marktfähiger Innovation überschreiten. Deshalb sind der Bottom-up-Ansatz und die hohe Autonomie der Akteure bis heute wichtige Pfeiler der Innovationspolitik des Bundes. Es ist mitunter diesen Fördergrundsätzen zu verdanken, dass die Schweiz Ursprung ist von Innovationen mit globaler Reichweite – denken wir beispielsweise an den Klettverschluss, der vor über 70 Jahren erfunden wurde und einen Wendepunkt in der Geschichte der Textilindustrie darstellte, oder an die neusten Drohnen, die derzeit am Himmel zu sehen sind. 

Das hält uns allerdings nicht davon ab, die diesbezüglichen globalen Entwicklungen aufmerksam zu verfolgen. Immer mehr Länder rund um den Globus und auch die Europäische Union betreiben eine zunehmend aktive Innovationspolitik, indem sie entweder Unternehmen direkt unterstützen oder top-down Forschungs- und Innovationsprogramme implementieren (Stichwort Missionsorientierung). Dahinter steht die Überlegung, dass Innovationen zu Lösungen von drängenden gesellschaftlichen Herausforderungen beitragen können. 

Obschon es nicht der Tradition der Schweiz entspricht, direkt in den Markt einzugreifen oder Industriepolitik zu betreiben, müssen wir diese Entwicklungen analysieren und die bundesseitige Innovationsförderung wo nötig justieren. Genau das tun wir fortlaufend; so hat die Förderagentur Innosuisse im Jahr 2021 mit der Flaggschiff-Initiative ein Instrument zur thematischen Projektförderung eingeführt. Seit 2023 kann sie zudem Start-ups vor ihrem Markteintritt direkt unterstützen. Beides stellt einen eigentlichen Paradigmenwechsel in der nationalen Innovationsförderung dar. Auch die Frage, ob missionsorientierte Instrumente für die Schweiz zielführend sein könnten, wird diskutiert. 

Als wichtige Grundlage für solche Diskussionen monitoren wir die langfristige Entwicklung von Innovationsaktivitäten in der Schweiz und wissen deshalb: Gemäss der Innovationserhebung 2020 der Konjunkturforschungsstelle KOF ist der Anteil der F&E-aktiven Unternehmen in der Schweiz im Zeitraum 2018–2020 erstmals seit der Untersuchungsperiode 2000–2002 wieder gestiegen – eine erfreuliche Nachricht!


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