Eidgenössische Berufs- und höhere Fachprüfungen: Austausch stärkt Praxis
Wie reagieren Berufsprofile und Berufsmarketing auf neue arbeitsmarktliche Anforderungen? Dieser Frage stand im Zentrum des jährlichen Erfahrungsaustausches zu den eidgenössischen Prüfungen Anfang Juni in Bern. Rund 200 Teilnehmende diskutierten aktuelle Entwicklungen und Praxisbespiele und erhielten Einblicke in das Massnahmenpaket zur Stärkung der höheren Berufsbildung, die Wirkung der Subjektfinanzierung sowie die neue Richtlinie zur Subventionierung der Prüfungsdurchführung.
Wie bleiben eidgenössische Prüfungen arbeitsmarktnah, sichtbar und qualitativ stark? Diese Frage zog sich wie ein roter Faden durch den Erfahrungsaustausch eidgenössische Berufs- und höhere Fachprüfungen vom 9. Juni 2026 in Bern. Der Anlass brachte Trägerschaften der eidgenössischen Prüfungen, insbesondere Prüfungs- und Qualitätssicherungskommissionen, Prüfungsleitungen und Bildungsverantwortliche der Trägerorganisationen zusammen. Neben einem Überblick über aktuelle Themen bot er Raum für den Austausch zu gemeinsamen Herausforderungen – unter den Trägerschaften und mit den anwesenden Mitarbeitenden des SBFI.
Zum Auftakt informierte Ramona Nobs, Ressortleiterin Höhere Berufsbildung, die rund 200 Teilnehmenden über aktuelle Entwicklungen. Im Fokus stand das Massnahmenpaket zur Stärkung der höheren Berufsbildung. Dieses umfasst unter anderem die Titelzusätze «Professional Bachelor» und «Professional Master» für Abschlüsse der höheren Berufsbildung, den Bezeichnungsschutz für höhere Fachschulen sowie die Möglichkeit, Berufs- und höhere Fachprüfungen künftig zusätzlich auch auf Englisch anzubieten.
Berufsprofile im Wandel
Wie stark sich Berufsbilder verändern können, zeigte das Beispiel von Lisa Steger und Maurice Codourey zur eidgenössischen Berufsprüfung Konzepterin und Texterin / Konzepter und Texter. Die Kommunikations- und Werbebranche ist von der Entwicklung generativer künstlicher Intelligenz besonders betroffen. Der Trägerverein reagierte darauf mit hohem Tempo und überarbeitete die Berufsprüfung grundlegend. Deutlich wurde: Neue Technologien verändern nicht nur Arbeitsprozesse, sondern ganze Kompetenzprofile. Wer ein Berufsbild weiterentwickelt, muss nicht nur Fachwissen aktualisieren, sondern die Handlungskompetenzen neu denken. So werden beispielsweise konzeptionelle Fähigkeiten, vernetztes Denken sowie Team- und Softskills künftig noch wichtiger.
Ein zweites Praxisbeispiel präsentierte Cécile Annen von SAVOIRSOCIAL. Der Dachverband zeigte, wie Berufsmarketing im Sozialbereich umgesetzt wird und weshalb zielgruppengerechte Information zentral ist. Neben Broschüren, Beratung und Social Media setzt SAVOIRSOCIAL auf eine dreisprachige Berufsinformationsplattform. Die Plattform richtet sich an unterschiedliche Zielgruppen – von Jugendlichen und Erwachsenen mit Berufsinteresse über Eltern und Lehrpersonen bis hin zu Institutionen, Arbeitgebenden, Berufsberatungen und Mitgliedern des Verbands. Das Beispiel zeigte: Sichtbarkeit entsteht durch das Zusammenspiel verständlicher Informationen, passender Kanäle und genauer Kenntnis der Zielgruppen.
Finanzielle Unterstützung im Überblick
Am Nachmittag standen finanzielle Fragen im Zentrum. Das SBFI präsentierte die Resultate der Wirkungsevaluation zur subjektorientierten Finanzierung. Seit 2018 unterstützt der Bund Absolvierende von vorbereitenden Kursen auf eidgenössische Prüfungen direkt. Die Evaluation untersuchte unter anderem, wie sich die finanzielle Belastung der Kandidierenden verändert hat, welche Finanzierungsanteile von Individuen, Arbeitgebern und öffentlicher Hand getragen werden und welche Wirkungen auf die Attraktivität der eidgenössischen Prüfungen erkennbar sind. Die Evaluation zeigt: Die finanzielle Belastung der Absolventinnen und Absolventen sowie der Arbeitgebenden ist gesunken, gleichzeitig wurde die Finanzierung durch das schweizweit einheitliche System vereinfacht.
Ein weiterer Programmpunkt war die Prüfungsfinanzierung nach Artikel 56 des Berufsbildungsgesetzes. Vorgestellt wurde unter anderem die neue Richtlinie für die Subventionierung der Prüfungsdurchführung, die per 1. Januar 2027 in Kraft treten soll. Sie bringt unter anderem frühere und höhere Vorschusszahlungen, präzisiert den Umgang mit Reserven und klärt die Verwendung von Subventionen und Prüfungsgebühren.
Erfahrungen teilen, Fragen klären
Neben den Referaten bot die Tagung Raum für Gruppendiskussionen und Vernetzung. Die Teilnehmenden tauschten sich darüber aus, wie KI ihre Branchen und Berufsbilder verändert, welche Massnahmen die Trägerschaften bereits ergreifen und welche Chancen oder Risiken sich daraus ergeben. Beim Thema Berufsmarketing ging es um die Rolle der Sichtbarkeit in den einzelnen Branchen sowie um die Frage, welche Marketingmassnahmen sich in der Praxis besonders bewähren. Den Abschluss der Tagung bildete eine Fragerunde mit den Vertreterinnen und Vertreter des SBFI. Dabei konnten die Teilnehmenden offene Fragen zu den Themen höhere Berufsbildung, Finanzierung und Recht direkt mit den zuständigen Fachpersonen diskutieren.
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