«Ausbildungsqualität entsteht im Alltag»

Mit dem neuen Förderschwerpunkt «Betriebliche Bildung» als Teil der Roadmap «Attraktivität der Berufsbildung» will das SBFI gemeinsam mit den Verbundpartnern gute Ausbildungsbedingungen stärken, Wissen und Erfahrungen zusammenbringen und neue Impulse ermöglichen.

02.09.2026
Autor/in: Rémy Hübschi
Ein Mann im Anzug steht vor einer Holztür
Rémy Hübschi ist seit 2021 stellvertretender Direktor des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) und leitet die Abteilung Berufs- und Weiterbildung. Bild: Monique Wittwer

Die Schweizer Berufsbildung lebt von Unternehmen, die bereit sind, junge Menschen auszubilden. Entscheidend ist dabei, was im Ausbildungsalltag geschieht: im Betrieb, im Team und in der Zusammenarbeit zwischen Lernenden und Berufsbildenden. Hier wird ein Beruf nicht nur erlernt, sondern erlebt. Wer wie ich selbst einmal eine Lehre absolviert hat, erinnert sich vermutlich weniger an einzelne Vorgaben eines Bildungsplans als an Menschen und Situationen: an die Berufsbildnerin, die sich Zeit nahm, an den ersten selbstständigen Auftrag oder an den Moment, in dem einem erstmals wirklich etwas zugetraut wurde. Das verlangt von den Lehrbetrieben und insbesondere von den Berufsbildnerinnen und Berufsbildnern viel. Sie vermitteln Fachwissen, begleiten Lernprozesse, motivieren und geben Rückmeldungen – zusätzlich zu ihrem betrieblichen Alltag.

Ausbildungsqualität als Grundlage

Eine hohe Ausbildungsqualität stärkt Motivation und Lernerfolg und trägt dazu bei, dass Lernende ihre berufliche Grundbildung erfolgreich abschliessen. Sie beeinflusst aber auch, wie attraktiv Jugendliche ihren Beruf und die Berufsbildung insgesamt wahrnehmen. Davon profitieren ebenso die Unternehmen. Gute Ausbildung ist eine Investition in den eigenen Nachwuchs und hilft, zukünftige Fachkräfte aufzubauen und an Betrieb und Branche zu binden. Ausbildungsqualität und Ausbildungsbereitschaft gehören deshalb eng zusammen. Genau hier setzt der neue Förderschwerpunkt «Betriebliche Bildung» an, den das SBFI am 1. September 2026 gestartet hat. Bis 2028 stehen dafür insgesamt drei Millionen Franken zur Verfügung.

«Wer die Berufsbildung stärken will, muss dort ansetzen, wo sie hauptsächlich stattfindet: in den Lehrbetrieben.»

Rémy Hübschi, Stellvertretender Direktor des SBFI

Gemeinsam mit den Verbundpartnern wollen wir gute Lösungen sichtbar machen, den Erfahrungsaustausch fördern und neue Ansätze unterstützen. Im Fokus stehen unter anderem die Weiterbildung von Berufsbildnerinnen und Berufsbildnern, die Begleitung von Jugendlichen, die Lehraufsicht sowie gute Rahmenbedingungen für Lehrbetriebe. Das Wissen und viele gute Ideen sind bereits vorhanden – bei Kantonen, Organisationen der Arbeitswelt und Betrieben. Der Förderschwerpunkt ist deshalb mehr als ein Fördertopf. Er ist eine Einladung zum Austausch, zur Vernetzung und zur gemeinsamen Weiterentwicklung der betrieblichen Bildung.

Mitmachen und weiterentwickeln

Drei Millionen Franken können Impulse geben, gute Ansätze verbreiten und letztlich diejenigen stärken, die Ausbildung jeden Tag mit Leben füllen. Genau dafür braucht es die Erfahrungen, Ideen und das Engagement der Akteure der Berufsbildung. Mein Appell ist deshalb: Nutzen Sie den Förderschwerpunkt. Teilen Sie gute Beispiele, bringen Sie Projektideen ein und entwickeln Sie gemeinsam mit anderen weiter, was sich in der Praxis bewährt. Denn Ausbildungsqualität zeigt sich letztlich nicht auf dem Papier. Sie zeigt sich dann, wenn Lernende Verantwortung übernehmen dürfen, kompetent begleitet werden und ein Betrieb Ausbildung als Investition in die eigene Zukunft versteht. Genau dort entscheidet sich, wie attraktiv die Berufsbildung morgen sein wird. Und genau dort können wir gemeinsam etwas bewegen.