17 junge Schweizer Berufs-Champions an den EuroSkills 2023

Anfang September trafen an den EuroSkills im polnischen Danzig die besten der besten jungen Berufs-Champions aus ganz Europa aufeinander. Die Schweiz war mit einer 35-köpfigen Delegation in 16 verschiedenen Wettkämpfen vertreten, darunter Ariane Aeschlimann (Fleischfachfrau EFZ) und ihr Experte Sascha Fliri.

29.09.2023
Autor/in: Philipp Theiler
Ein Mann und eine junge Frau stehen mit verschränkten Armen Rücken an Rücken
Ariane Aeschlimann (Fleischfachfrau EFZ) und Experte Sascha Fliri. Bild: SwissSkills/Tatjana Schnalzger

Die Wettkämpfe in Polen waren die achte Austragung der 2008 erstmals durchgeführten EuroSkills. Aus 32 europäischen Nationen nahmen dabei insgesamt rund 600 junge Berufsleute teil, welche gemäss Reglement nicht älter als 25 Jahre sein durften. Dabei wurde in 43 verschiedenen Disziplinen um Medaillen gekämpft. 

Intensive Vorbereitung auf Wettkämpfe

Zum Nationalteam von SwissSkills gehören 17 Berufs-Champions, darunter Ariane Aeschlimann. Nach einer Erstausbildung als Köchin EFZ hat sie eine verkürzte Ausbildung als Fleischfachfrau EFZ absolviert, an den Schweizer Berufsmeisterschaften SwissSkills Bern 2020 die Goldmedaille gewonnen und sich somit für die EuroSkills qualifiziert.

Im Herbst 2022 erstellte sie zusammen mit ihrem Coach und Experten Sascha Fliri einen Trainingsplan, der alle zwei Wochen eine Trainingseinheit vorsah. Anfänglich in der Disziplin «Ausbeinen», danach wurden alle fünf am Wettkampf verlangten Disziplinen gemischt. Dazu kamen monatliche Mentaltrainings und Physiotherapie sowie verschiedene Termine mit dem Nationalteam.

Vielfältiger Wettkampf vor Ort und Rolle des Experten

Beim Beruf Fleischfachfrau und Fleischfachmann gibt es am Wettkampf fünf verschiedene Disziplinen:

  • Vorbereiten von Fleisch für den Verkauf
  • Kreieren von allgemeinen Fleischstücken für den sofortigen Gebrauch
  • Kreieren von individuellen Spezialitäten
  • Vorbereiten eines Hauptgangs mit vorgegebenen Ingredienzien
  • Gestalten von Convience-Produkten wie Fingerfood


In jeder Disziplin müssen die Wettkämpferinnen und Wettkämpfer nebst Fachwissen auch Flexibilität unter Beweis stellen. Denn bis zu 30 Prozent der vordefinierten Aufgabenstellung kann vor Ort durch die Jury noch abgeändert werden. Das heisst, dass beispielsweise andere Fleischstücke verwendet werden müssen oder beim Fingerfood die Anzahl der verschiedenen Sorten und Stückzahl angepasst werden. Während des Wettkampfs haben die Expertinnen und Experten, welche die jungen Berufs-Champions in der Vorbereitung unterstützen und begleiten, dann nur noch am Morgen und Abend je ein Zeitfenster, um sich mit ihren Wettkämpfenden auszutauschen. «Die eigene Kandidatin wird nicht von mir bewertet. Aber ich probiere, sie stets innerhalb des Wettkampfreglements so gut wie möglich zu unterstützen und ihre Arbeiten vor den anderen Experten zu verteidigen», so Sascha Fliri, der an den EuroSkills in Polen auch als Chef-Experte im Einsatz stand.

«Mir gefällt an meinem Beruf, dass jeder Tag etwas Neues bringt und man sehr kreativ sein darf. Sei es bei der Gestaltung von Fleischplatten, Chinoise-Platten oder beim Buffet anrichten.»

Ariane Aeschlimann

Eine junge Frau hält eine Schweizerflagge hoch
Ariane Aeschlimann überzeugte auch an den EuroSkills 2023 und gewann die Goldmedaille. Bild: SwissSkills/Michael Zanghellini

Erfolgreiche Schweizerinnen und Schweizer

Die EuroSkills 2023 gehen aus Schweizer Sicht als die bislang erfolgreichsten Berufs-Europameisterschaften in die Geschichte ein. Das Schweizer Nationalteam war in 16 Wettkämpfen angetreten und gewann dabei 15 Medaillen – zwölf goldene und drei silberne. Weitere erfolgreiche Nationen waren Österreich mit sieben EM-Titeln und Frankreich mit deren fünf. Was besonders überzeugt: Es standen beeindruckende 94 Prozent der SwissSkills-Delegation auf dem Podest. Dieser Leistungsausweis zeigt das hohe Niveau der schweizerischen Berufsausbildung und deren international vielbeachteten Stärken.

Schweiz kandidiert für Austragung der EuroSkills 2029

2029 sollen die europäischen Berufsmeisterschaften erstmals in der Schweiz stattfinden. Basel, Genf und St. Gallen haben sich für die Austragung der EuroSkills beworben. Der Stiftungsrat von Swiss-Skills hat sich nach einer ausführlichen Prüfung der Dossiers entschieden, zusammen mit Genf für die Austragung der EuroSkills 2029 zu kandidieren. Genf habe internationale Strahlkraft sowie die passende Hotel- und Eventinfrastruktur; zudem sei grosses Potenzial für die Förderung der dualen Berufsbildung in der Romandie vorhanden, so der Stiftungsrat. SwissSkills hat ihr Bewerbungsdossier bei WorldSkills Europe eingereicht. Diesen Herbst erfolgt eine Prüfung der Kandidaturen vor Ort. Die Entscheidung über die Vergabe erfolgt im Frühjahr 2024 an der Generalversammlung von WorldSkills Europe.

Kontinuierliche finanzielle Unterstützung durch den Bund

Die Stiftung SwissSkills, welche sich für die Talent- und Exzellenzförderung in der Berufsbildung einsetzt und damit einen wichtigen Beitrag zur Steigerung des Ansehens und der Bekanntheit des dualen Bildungssystems und der beruflichen Aus und Weiterbildung leistet, ermöglicht unter anderem auch die Teilnahme der Schweiz an den internationalen Berufsmeisterschaften Euro- und WorldSkills. Das SBFI unterstützt die Aktivitäten der Stiftung jährlich mit zwei bis drei Millionen Franken. Zusammen mit den Berufsverbänden und den Kantonen setzt sich der Bund damit für eine attraktive und zukunftsorientierte Berufsbildung ein. Auch die Schweizer Kandidatur für die EuroSkills 2029 wird vom Bund finanziell unterstützt.


Kontakt
Philipp Theiler, SBFI Leiter Ressort Finanzierung und Projektförderung philipp.theiler@sbfi.admin.ch +41 58 463 22 72
Autor/in
Philipp Theiler

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