Umgang mit Desinformation: Wie Bildung Orientierung schaffen kann

Was ist echt, was ist manipuliert und welchen Informationen kann man vertrauen? Digitale Plattformen, soziale Medien und generative KI machen es einfacher, Informationen zu verbreiten und schwieriger, sie einzuordnen. Umso wichtiger sind Kompetenzen, die Menschen dabei unterstützen Quellen kritisch zu prüfen, unterschiedliche Perspektiven zu erkennen und sich eine eigene Meinung zu bilden. Bildung kann dafür wichtige Grundlagen schaffen. Ein verantwortungsvoller Umgang mit Informationen ist jedoch eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

27.10.2026
Autor/in: Leslie Hansen
Gruppe von jungen Menschen sitzen im Halbkreis an einem Tisch, diskutierend, Laptops und Papier auf dem Tisch
Der Bericht «Politische Bildung in der Schweiz – Gesamtschau» widmet sich dem Thema «Kompetenzen für den Umgang mit Desinformation». Bild: SBFI

Mit der jüngst publizierten Aktualisierung des Berichts «Politische Bildung in der Schweiz – Gesamtschau» widmet sich das SBFI dem Thema «Kompetenzen für den Umgang mit Desinformation». Im Zentrum steht die Frage, wie Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in Ausbildung durch politische Bildung und Medienbildung befähigt werden können, Desinformation zu erkennen, Informationen kritisch zu beurteilen und verantwortungsvoll am demokratischen Diskurs teilzunehmen.

Orientierung in einer digitalen Informationswelt

Wie Menschen sich informieren, hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Gerade junge Menschen nutzen soziale Medien und andere digitale Angebote zunehmend für Meinungsbildung. Gleichzeitig machen personalisierte Inhalte, Algorithmen und generative KI die Informationswelt komplexer. Täuschend echte Bilder, Videos oder Texte können es heute schwierig machen, zwischen verlässlichen und irreführenden Informationen zu unterscheiden.

Umso wichtiger sind Kompetenzen, die es erlauben, Informationen kritisch zu prüfen, Quellen zu bewerten, unterschiedliche Perspektiven einzuordnen und zu verstehen, wie digitale Informationsräume funktionieren. Für eine funktionierende Demokratie sind zudem die Fähigkeit zur eigenen Urteils- und Meinungsbildung sowie die Bereitschaft zu einer verantwortungsvollen Teilnahme am demokratischen Diskurs zentral.

Internationale Referenzrahmen wie der «Digital Competence Framework for Citizens» der Europäischen Kommission oder das Konzept der «Digital Citizenship Education» des Europarats verbinden diese Kompetenzen. Sie verstehen digitale, mediale und politische Bildung sowie deren Verbindung als Grundlage dafür, digitale Lebenswelten kritisch, selbstbestimmt und verantwortungsvoll mitzugestalten.

Bildung ist ein Teil der Antwort

Wie gut ist die Schweiz darauf vorbereitet? Der Bericht hält fest, dass die Lehrpläne der obligatorischen Schule und die Rahmenlehrpläne der Sekundarstufe II grundsätzlich gute Anknüpfungspunkte bieten. Politische Bildung und Medienbildung sind in den sprachregionalen Lehrplänen und Rahmenlehrplänen verankert. Zudem gibt es zahlreiche Angebote von Bund, Kantonen und zivilgesellschaftlichen Akteuren für den schulischen und ausserschulischen Bereich. Schulen nehmen bei der Vermittlung von entsprechenden Inhalten eine wichtige Rolle ein. Sie können junge Menschen dabei unterstützen, sich in komplexen digitalen Informationsumgebungen zu orientieren und Informationen kritisch zu reflektieren. 

Gleichzeitig bestehen Herausforderungen: Politische Bildung, Medienbildung und digitale Kompetenzen sind vielfach als übergreifende Bildungsziele angelegt. Wie sie umgesetzt werden, kann deshalb je nach kantonalen Rahmenbedingungen, schulischen Prioritäten und Lehrpersonenkompetenzen unterschiedlich sein. Zudem ist die aktuelle empirische Datenlage zur Wirksamkeit entsprechender Lerninhalte in der Schweiz begrenzt.

Gemeinsam Grundlagen weiterentwickeln

Der Bericht zeigt verschiedene Handlungsfelder auf. Dazu gehören eine stärkere Verknüpfung von politischer, medialer und digitaler Bildung, die Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen, der Ausbau empirischer Wissensgrundlagen sowie eine verstärkte Koordination unter den verschiedenen zuständigen Stellen und Bildungsbereichen.

Der Umgang mit Desinformation ist eine gemeinsame Aufgabe. Bildung schafft wichtige Voraussetzungen, indem sie die dafür erforderlichen individuellen Kompetenzen stärkt. Wirkung entfalten kann sie jedoch nur im Zusammenspiel mit Medien, staatlichen Institutionen und weiteren gesellschaftlichen Akteuren

Dritte und letzte Ausgabe der Gesamtschau

Der aktuelle Bericht knüpft an die bisherige Berichterstattung zur politischen Bildung an. Ausgangspunkt war «Politische Bildung in der Schweiz – Gesamtschau», ein Bericht des Bundesrates in Erfüllung des Postulats 16.4095. Das SBFI aktualisierte die Dokumentation erstmals 2021. Für die nun vorliegende dritte Ausgabe greift mit dem Umgang mit Desinformation aus der Perspektive der Bildung ein politisch und gesellschaftlich relevantes Thema auf. Dieser Bericht bildet zugleich den Abschluss der Gesamtschau-Serie.

Der Bericht in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV), dem Bundesamt für Kommunikation (BAKOM), dem Staatssekretariat für Sicherheitspolitik (SEPOS), der Bundeskanzlei, der Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektorinnen und -direktoren (EDK), der Interkantonalen Fachkonferenz Citoyenneté (IFC) und der Pädagogischen Hochschule Fachhochschule Nordwestschweiz (PH FHNW) erarbeitet. 


Kontakt
Samuel Zinniker, SBFI Bildungsraum Schweiz samuel.zinniker@sbfi.admin.ch +41 58 483 06 54
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Leslie Hansen

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