Nachhaltige Entwicklung als Trend in der Berufsbildung
Ende 2023 hat das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) den Förderschwerpunkt «Nachhaltige Entwicklung in der Berufs- und Weiterbildung» eingeführt. Jetzt ist es Zeit für eine Zwischenbilanz.
Bei der Förderung der nachhaltigen Entwicklung spielt die Berufsbildung an der Schnittstelle von Bildung und Arbeitswelt eine wichtige Rolle. Mit seinem bis Ende 2028 laufenden Förderschwerpunkt unterstützt das SBFI die Akteure der Berufsbildung deshalb bei diesem Engagement.
Was hat der Förderschwerpunkt des SBFI bisher erreicht?
Eine Hauptmassnahme ist die Analyse- und Beratungspauschale für nachhaltige Entwicklung in der Berufsentwicklung, wodurch bei Revisionen der beruflichen Grundbildung und der höheren Berufsbildung die Beratung über gesellschaftliche und wirtschaftliche Aspekte der nachhaltigen Entwicklung unterstützt wird. Während ökologische Fragen bereits durch die Bundesämter für Umwelt (BAFU) und für Energie (BFE) begleitet werden, ergänzt die Pauschale deren Angebot und stärkt somit ein ganzheitliches Nachhaltigkeitsverständnis. Sie fördert zudem den fachlichen Austausch und liefert auf die einzelnen Berufe abgestimmte Empfehlungen. Seit 2024 haben über 20 Revisionen davon profitiert. Die Zwischenbilanz zeigt: Nachhaltigkeitsanliegen werden vielerorts bereits berücksichtigt, bestehende Praktiken werden dank der zusätzlichen Beratung jedoch weiterentwickelt und sichtbarer gemacht. Dank des Austauschs unter Fachleuten steigt zudem die Sensibilität für das Thema. Die Fachstellen, die die Analyse und Beratung zu den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Dimensionen der nachhaltigen Entwicklung anbieten, arbeiten eng mit den weiteren beteiligten Partnern zusammen. Für die Trägerschaften wird es dadurch zu einer wertvollen Investition in die Zukunft ihrer Berufe und im Revisionsprozess bleibt der Aufwand überschaubar.
Nachhaltigkeit als Trend? Gelebte Nachhaltigkeit soll es sein!
Das schweizerische Observatorium für die Berufsbildung OBS EHB kommt in seinem «Trend im Fokus»-Bericht (siehe Infobox) zum Schluss, dass nachhaltige Entwicklung zu einem integralen Bestandteil der Berufsbildung geworden ist. Sie betrifft nicht nur die Regelung der Berufsabschlüsse, sondern auch Lernende, Lehrbetriebe und Berufsbildungsverantwortliche an allen Lernorten.
Lernende setzen sich beruflich wie persönlich mit Nachhaltigkeit auseinander. Je nachdem, wie sie Nachhaltigkeit im beruflichen Lernkontext erleben, entwickeln sie Zuversicht und Selbstwirksamkeit oder eher Passivität und Frustration. Entscheidend ist, ob Lehrbetriebe Nachhaltigkeit glaubwürdig vorleben und wie sie mit Zielkonflikten umgehen. Es kann zum Beispiel eine Rolle spielen, ob bei der Optimierung von Produktionsprozessen nur die kurzfristige Wirtschaftlichkeit, oder auch die Implikationen für Umwelt und Gesellschaft mitberücksichtigt werden. Oder ob die dauerhafte Überlastung von Mitarbeitenden in Kauf genommen oder auf die soziale Nachhaltigkeit und die langfristige Fachkräftesicherung geachtet wird.
Die OBS EHB Studie zeigt zudem, dass neben dem Kompetenzaufbau der Lernenden auch jener der Berufsbildungsverantwortlichen und Lehrpersonen an Bedeutung gewinnt. Dies bestätigt den Entscheid, bei der Revision der Rahmenlehrpläne für Berufsbildungsverantwortliche die nachhaltige Entwicklung als ein transversales Thema zu integrieren. Das Revisionsprojekt profitierte von den Impulsen des Förderschwerpunkts und wird nun umgesetzt.
Projektförderung mit Fokus auf die nachhaltige Entwicklung
Ein weiterer Hebel liegt bei den Akteuren der Berufsbildung selbst. Für Projekte mit Fokus auf die nachhaltige Entwicklung können Fördermittel beantragt werden, insbesondere wenn diese zur Qualitätsentwicklung der Berufsbildung beitragen oder als besondere Leistungen im öffentlichen Interesse gelten. Durch Skalierbarkeit und Anwendbarkeit in mehreren Berufsbereichen sollen sie systemische Wirkung entfalten. Ein Beispiel ist das unterstützte Projekt der PH Luzern «BNE mit Plan», welches Nachhaltigkeitsdidaktik in die Berufskunde integriert und Lehrpersonen verschiedener Berufe bei der KI-gestützten Unterrichtsentwicklung unterstützt.
Was will das SBFI bis Ende des Förderschwerpunkts erreichen?
Über die genannten Massnahmen sowie die Revisionen in der Allgemeinbildung und der Berufsmaturität wurden wichtige Impulse gesetzt. Nun sind die weiteren Akteure der Berufsbildung gefragt, die Angebote zu nutzen:
- Breite Nutzung der Analyse- und Beratungspauschale: Möglichst viele Revisionen sollen, bis Ablauf des Förderschwerpunkts davon profitieren; mehrere Beratungsstellen sichern die nötigen Kapazitäten.
- Unterstützung neuer Projekte: Für Projekte mit Fokus auf nachhaltige Entwicklung stehen weiterhin Fördermöglichkeiten offen. Interessierte können eine Projektskizze für Vorabklärungen einreichen oder direkt ein Gesuch stellen (vgl. Ablauf Projektfinanzierung in der Berufsbildung).
- Stärkung des Wissenstransfers: Das SBFI fördert den Austausch durch Hinweise auf themenrelevante Veranstaltungen. Neu möchte es auch gute Praxisbeispiele sichtbar machen. Berufsbildungsakteure sind eingeladen, ihre Erfahrungen und Initiativen zu teilen.
Zur Erinnerung: Der Förderschwerpunkt läuft bis Ende 2028.
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