Forschen im Pantanal – mit Unterstützung von Swissnex

Malin Borg, Leiterin von Swissnex in Brasilien, unterstützt zusammen mit ihrem Team Forschende wie Dr. Evelyn Wolfram und deren Studierende der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Im Pantanal können sie Forschungsschwerpunkte vertiefen und ihr wissenschaftliches Netzwerk ausbauen.

10.01.2023
Autor/in: Laura Stirnimann
Forschende betrachten Pflanzen
Das Pantanal ist das grösste Biosphärenreservat der Welt. Es liegt im Herzen Südamerikas und grenzt an den Amazonas, das Savannengebiet der Cerrados, die tropische Ökoregion Mata Atlântica und den bolivischen Gran Chaco mit seinen Trockenwäldern und Dornbuschsavannen.

Dr. Evelyn Wolfram, Sie lehren an der ZHAW und forschen in der Industrie an den Möglichkeiten und der Weiterentwicklung der Phytopharmazie. Aufgrund Ihrer Kontakte zu Swissnex in Brasilien besuchten zwei Biotechnologie-Studentinnen im Juni 2022 das Pantanal Science Camp. Inwiefern profitiert die ZHAW von der Zusammenarbeit mit Swissnex?  

Dr. Evelyn Wolfram: Bereits im Jahr 2018 habe ich mit Prof. Rosy Iara Maciel de Azambuja Ribeiro von der brasilianischen Universidade Federal de São João del-Rei einen bilateralen Austausch gestartet. Sie forschte bei uns in Wädenswil, und im Gegenzug besuchte eine Studierende der ZHAW die Laboratorien in Divinópolis. Die Zusammenarbeit wurde in einem gemeinsamen Review über Heilpflanzen im Cerrado dokumentiert. Organisiert von Swissnex, durfte ich 2019 eine Studienreise nach Rio de Janeiro und Minas Gerais machen, wo ich potenzielle Kooperationspartner traf. 

Foto von Evelyn Wolfram

Dr. Evelyn Wolfram ist Dozentin für Naturstoffchemie und Phytopharmazie an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften.

Malin Borg, wie unterstützt Swissnex die Arbeit von Forschenden wie Frau Dr. Wolfram?

Malin Borg: Swissnex ermöglicht Forschenden seit Jahren den Zugang zu Communities und lokalem Know-how. Mit Initiativen wie dem ZHAW-Staff-Mobility-Programm, an dem auch Dr. Wolfram teilgenommen hat, verfügen wir ausserdem über ein Instrument, welches Forschenden die Möglichkeit gibt, an einem Swissnex-Standort neue Kontakte zu knüpfen.

Das Pantanal Science Camp geht noch darüber hinaus. Es handelt sich dabei um ein massgeschneidertes akademisches Austauschprogramm, welches von Pedro Capra, Program Manager Academic Relations, organisiert und vor Ort begleitet wird. Swissnex ermöglicht während eines einwöchigen Wissenschaftscamps den Zugang zum grössten privaten Naturreservat Brasiliens. Eine umfassende Infrastruktur und volle Unterstützung bei der Kontaktaufnahme mit Forschenden, Universitäten und akademischen Partnern ist ebenfalls gegeben. Das Programm kann für Sommerschulen, Feldstudien und Studienreisen zu Themen wie Nachhaltigkeit, Biologie, Ökologie, Wildtierschutz, Geologie, Kultur, Kunst, Bildung oder Anthropologie und mehr genutzt werden.

Foto von Malin Borg

Malin Borg ist Leiterin von Swissnex in Brasilien. 

Welchen Wert hat eine solche Kooperation zwischen der ZHAW und Swissnex? 

Dr. Evelyn Wolfram: Bevor ich das Angebot von Swissnex genutzt habe, musste ich alles in Eigenregie organisieren und Kontakte selber knüpfen. Swissnex hat die Planung professionalisiert und die Möglichkeiten um ein Vielfaches erweitert. 

Malin Borg: Vorteil einer solchen Plattform ist es, dass auch Forschende oder Studierende, die bisher keine Erfahrungen in Brasilien sammeln konnten, Zugang zu einem sicheren und hoch spannenden Umfeld bekommen. Zusätzlich birgt die Zusammenarbeit mit der Schweiz für die brasilianische Partnerorganisation Sesc (Social Service of Commerce), welche erst vor kurzem mit der Internationalisierung angefangen hat, eine wichtige Chance zur Öffnung einer Region, die trotz ihres Potenzials noch relativ unbekannt ist. Als private NonProfit-Organisation lanciert Sesc Initiativen in den Bereichen Bildung, Gesundheit oder Sozialfürsorge. 

Wo sehen Sie Vor- und Nachteile der Kollaboration? Was erhoffen Sie sich davon?

Dr. Evelyn Wolfram: Das Format, welches hier durch Sesc und Swissnex geschaffen wurde, hat grossen Praxisbezug zur Natur und ermöglicht es, mit lokalen Forschenden direkt im Vegetationsgebiet zusammenzukommen. Ein Nachteil war bisher, dass die Verständigung in Englisch nicht mit allen Beteiligten reibungslos möglich ist. Zudem müssen gewisse juristische Konditionen bereits vor der Exkursion geklärt sein, wenn zum Beispiel biologische Proben gezogen und ausgetauscht werden. Hier gelten die rechtlichen Regelungen des Nagoyaprotokolls. Dabei geht es um den fairen Zugang zu genetischen Ressourcen und die ausgewogene und gerechte Nutzung der sich daraus ergebenden Vorteile. Eine künftige Aufgabe von Swissnex könnte sein, die beteiligten Forschungsgruppen zu unterstützen, wenn es darum geht, diese rechtlichen Anforderungen zu erfüllen. Eine weitere Herausforderung ist die Anreise: ein Langstreckenflug für die Dauer eines einwöchigen Camps ist nicht besonders nachhaltig. 

Die Arbeit von Swissnex in Brasilien konzentriert sich grossenteils auch auf die Förderung von Start-ups. Wo liegen die grössten Unterschiede im Begleiten von Start-ups und Projekten wie dem Pantanal Science Camp?

Malin Borg: Sowohl Forschende als auch schweizerische Start-ups haben oft ein geringes Wissen über lokale Gegebenheiten, wenn sie nach Brasilien kommen, und profitieren besonders von der Unterstützung durch Swissnex. Start-ups erkennen das enorme Potenzial des brasilianischen Marktes oft schneller und sind bereit, ein gewisses Risiko einzugehen. Bei schweizerischen Forschenden gilt es oft etwas mehr Vorarbeit zu leisten, um die Vorzüge und Möglichkeiten des Landes zu vermitteln und die geeigneten Partner zu identifizieren. Auch rechtliche Fragen der Feldforschung sind ein Thema in Brasilien. Der Erfolg der Zusammenarbeit steht und fällt aber bei Start-ups sowie Forschenden mit engagierten und überzeugten Personen auf beiden Seiten.

Was sind aktuelle Prioritäten und Herausforderungen von Swissnex in Brasilien? 

Malin Borg: Brasilien ist ein Land, das viele Schweizer BFI-Akteuren nicht auf dem Radar haben. Gleichzeitig weist es nicht nur die grösste Biodiversität der Welt auf und ernährt zehn Prozent der Weltbevölkerung, sondern verfügt auch über mehr Mobiltelefone als Einwohnerinnen und Einwohner sowie einen grossen Appetit auf technologische Neuerungen. Bei Swissnex wollen wir darum einerseits den Zugang zum komplexen brasilianischen Markt vereinfachen und andererseits durch Fokusthemen und spezifische Programme die Hürden für eine schweizerisch-brasilianische Zusammenarbeit verkleinern.

Konkret fokussieren wir aktuell auf zwei Bereiche, welche auch im Rahmen der Sustainable Development Goals (SDG) der Vereinten Nationen einen besonderen Stellenwert geniessen: die Zukunft der Ernährung und den Erhalt der Biodiversität sowie die Chancen der Bioökonomie. Diese Themen sind in Brasilien von hoher Bedeutung, und Schweizer Forschende, Start-ups, aber auch Kunstschaffende können hier einen Beitrag zu einer nachhaltigen Zukunft leisten.

Swissnex in Brasilien

Swissnex ist das weltweite Schweizer Netzwerk für Bildung, Forschung und Innovation. Es unterstützt seine Partner bei der internationalen Vernetzung und ihrem Engagement im globalen Austausch von Wissen, Ideen und Talenten. Der brasilianische Standort wurde 2014 in Rio de Janeiro eingeweiht und 2016 um São Paulo erweitert. Malin Borg arbeitet seit 2013 bei Swissnex.


Kontakt
Roman Kern, SBFI Leiter Ressort Swissnex Netzwerk roman.kern@sbfi.admin.ch +41 58 460 54 29
Autor/in
Laura Stirnimann

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