Nationale Forschungsprogramme sind eine wichtige Ressource für die Bundesverwaltung

Anlässlich des 50‑Jahre‑Jubiläums der Nationalen Forschungsprogramme hat das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation untersucht, wie Bundesämter dieses Instrument nutzen – und wo sie Verbesserungspotenzial sehen.

20.03.2026
Autoren/Autorinnen: Andrea Haueter, Luca Tratschin, Loïc Fave
Hände die ein Puzzle halten
Die Nationalen Forschungsprogramme verbinden Wissenschaft und Verwaltung: Durch Austausch und Zusammenarbeit entstehen Erkenntnisse, die direkt in Politikgestaltung und Verwaltungspraxis einfliessen. Bild: Adobe

Die Nationalen Forschungsprogramme (NFP) haben zum Ziel, wissenschaftliche Antworten auf gesellschaftlich, wirtschaftlich oder politisch relevante Fragen zu liefern. Seit 1975 hat der Bund rund 84 solche Programme zu unterschiedlichsten Herausforderungen lanciert. Sie koordinieren jeweils mehrere Forschungsprojekte und laufen in der Regel drei bis fünf Jahre. Die Themen bestimmt der Bundesrat nach Vorschlägen von interessierten Kreisen aus Wissenschaft und Praxis. 

Vor dem Hintergrund des 50-Jahre-Jubiläums der NFP hat das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) im Sommer 2025 eine Umfrage zur Nutzung der nationalen Forschungsprogramme durchgeführt. Befragt wurden Bundesämter, die im Koordinationsausschuss für die Ressortforschung vertreten sind. Dieser Ausschuss koordiniert die Forschung, die die Bundesverwaltung in Auftrag gibt, um wissenschaftlich fundierte Grundlagen für die Erfüllung ihrer Aufgaben zu erhalten. Der Koordinationsausschuss wird auch bei der Prüfung von Themenvorschlägen für neue Nationale Forschungsprogramme durch das SBFI konsultiert. 

Forschungsresultate fliessen in die Politikgestaltung ein

Die Ergebnisse der Befragung zeigen: Die NFP sind für die Bundesverwaltung ein etabliertes und geschätztes Instrument, das über reine Grundlagenforschung hinaus Auswirkungen auf Politik und Verwaltungspraxis entfaltet.

Die Bundesämter nutzen die NFP regelmässig bis intensiv. Sie sind in verschiedenen Phasen beteiligt – von der Themenwahl über die Begleitung der Forschungsarbeit bis zur Nutzung der Ergebnisse. Besonders hoch bewerten sie die Austauschformate mit der wissenschaftlichen Community: Workshops und Fachpublikationen gelten als ebenso relevantes Bindeglied zur Praxis wie stärker politisch vermittelte Outputs, etwa die Syntheseberichte, in denen der SNF die Hauptergebnisse der Programme zusammenfasst. Entscheidend ist für die Ämter, dass Erkenntnisse anschlussfähig an ihre Aufgabenbereiche sind und dort möglichst direkt genutzt werden können.

Inhaltlich zeigt sich, dass die NFP-Resultate am stärksten in Politikgestaltung und Strategieentwicklung einfliessen. Darüber hinaus finden sie Anwendung in der Öffentlichkeitsarbeit, in Gesetzgebungs- und Regulierungsprozessen sowie in verwaltungsinternen Abläufen. Diese breite Nutzung weist darauf hin, dass die Programme nicht nur theoretisches Wissen liefern, sondern auch zur Lösung konkreter Herausforderungen beitragen.

Brückenbauer zwischen Forschung und Verwaltung

Ein zentraler Befund betrifft die Zusammenarbeit: Ein direkter Austausch zwischen Bundesämtern und Forschenden ist die Regel, wenn auch mit unterschiedlicher Intensität. Häufig finden ein bis mehrere direkte Kontakte pro Jahr statt; bei hoher thematischer Relevanz kann der Austausch auch häufiger sein.

Besonders wirkungsvoll wird jene Zusammenarbeit beurteilt, in der die Verwaltung aktiv eingebunden ist, etwa in Projektbegleitgruppen, gemeinsamen Forschungsprojekten oder in regelmässigen Workshops. In dieser Funktion übernehmen die NFP eine Vermittlerrolle zwischen wissenschaftlicher Forschung und den konkreten Bedürfnissen der Verwaltung.

Chancen aus Sicht der Bundesämter: mehr Praxisnähe

Trotz dieser positiven Bewertung weist die Befragung auch auf Verbesserungsmöglichkeiten aus Sicht der Bundesämter hin. Insbesondere die Integration von Forschungsergebnissen in politische Prozesse wird als anspruchsvoll beschrieben, da Entscheidungszyklen und Forschungszeiten nicht immer synchron sind. Zudem sehen einige Ämter begrenzte personelle Ressourcen und gelegentlich eine zu geringe Praxisnähe einzelner Programme als Hürde für die Nutzung. 

Zugleich zeigen erfolgreiche Beispiele, dass NFP einen nachhaltigen Einfluss auf politische Handlungsfelder haben können. So begünstigte das NFP 67 “Lebensende” gemäss dem Bundesamt für Gesundheit eine politische Diskussion auf nationaler und kantonaler Ebene. Das NFP 05 zu Regionalproblemen in der Schweiz prägte aus Sicht des Staatssekretariats für Wirtschaft die Schweizer Regionalpolitik über Jahrzehnte. Für die Zukunft sehen die Bundesämter Potenzial in einer noch stärkeren Einbindung der Verwaltung in Fragestellungen und Projektphasen der Programme. Auch eine verstärkte Praxisorientierung und transferorientierte Aufbereitung der Ergebnisse sollte aus Sicht der Ämter angestrebt werden. 

Insgesamt bestätigt die Befragung: Die Nationalen Forschungsprogramme entfalten Wirkung – insbesondere dort, wo Wissenschaft und Verwaltung früh und kontinuierlich zusammenarbeiten.


Kontakt
Loïc Fave, SBFI Themenorientierte Forschung und Innovation loic.fave@sbfi.admin.ch +41 58 464 66 75
Autoren/Autorinnen
Andrea Haueter
Luca Tratschin
Loïc Fave

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